Ratgeber · Finanzen & Kredite

Kreditrate richtig berechnen: Was eine günstige Rate wirklich kostet

Eine kleine Monatsrate klingt angenehm. Ob ein Kredit tatsächlich günstig ist, zeigt sich aber erst zusammen mit Laufzeit, Gesamtzinsen und möglichen Zusatzkosten.

Redaktionell geprüftAktualisiert am 20. Juli 20269 Min. Lesezeit

Warum die Monatsrate allein wenig sagt

Zwei Kreditangebote können dieselbe Monatsrate haben und trotzdem unterschiedlich teuer sein. Eine längere Laufzeit drückt die Rate, lässt den Kredit aber länger verzinsen. Umgekehrt spart eine kurze Laufzeit häufig Zinsen, verlangt aber mehr Spielraum im monatlichen Budget.

Sinnvoll ist deshalb eine Reihenfolge: erst eine dauerhaft tragbare Rate festlegen, dann Angebote mit vergleichbarer Kreditsumme und Laufzeit prüfen und schließlich den Gesamtbetrag sowie den effektiven Jahreszins vergleichen.

Kreditunterlagen, Rechner und Münzen zur Veranschaulichung von Rate, Zins und Tilgung
Eine Kreditrate besteht aus Zins und Tilgung – ihr Preis zeigt sich über die gesamte Laufzeit.

Beispiel: 25.000 Euro über sechs Jahre

Bei einem Kreditbetrag von 25.000 Euro, sechs Prozent gebundenem Sollzins und 72 Monatsraten ergibt die Annuitätenformel rund 414,32 Euro pro Monat. Ohne weitere Kosten werden insgesamt etwa 29.831,20 Euro zurückgezahlt. Davon entfallen ungefähr 4.831,20 Euro auf Zinsen.

Kreditbetrag25.000,00 €
Monatsrate414,32 €
Summe der Zinsenca. 4.831,20 €
Gesamtzahlungca. 29.831,20 €

Eine Bearbeitungsgebühr oder verpflichtende Versicherung würde den Kredit verteuern, obwohl die reine Rate aus Sollzins und Laufzeit zunächst gleich aussehen kann.

Sollzins und effektiver Jahreszins erfüllen verschiedene Aufgaben

Der gebundene Sollzins wird auf die jeweilige Restschuld angewendet und bestimmt den Zinsanteil der Rate. Der effektive Jahreszins soll bekannte, verpflichtende Kreditkosten unter einheitlichen Zeitannahmen vergleichbar machen. Für den Angebotsvergleich ist deshalb der Effektivzins aussagekräftiger; für einen reinen Tilgungsplan wird der Sollzins benötigt.

Ein Online-Rechner kann keinen belastbaren Effektivzins ausgeben, wenn Gebühren, Auszahlungszeitpunkt und vertragliche Nebenbedingungen fehlen. Eine scheinbar präzise Zahl wäre dann eher irreführend als hilfreich.

Wann zusätzliche Zahlungen wirklich sparen

Eine zusätzliche Zahlung verringert die Restschuld sofort. In späteren Monaten fallen dadurch weniger Zinsen an. Der Effekt ist am Anfang einer langen Laufzeit meist größer als kurz vor der letzten Rate. Entscheidend bleibt der Vertrag: Manche Kredite erlauben kostenlose Sondertilgungen, andere begrenzen sie oder verlangen eine Entschädigung.

Planen Sie freiwillige Zahlungen nicht so knapp, dass anschließend die Rücklage für Reparaturen oder unerwartete Ausgaben fehlt. Eine rechnerische Zinsersparnis ist kein Gewinn, wenn dafür später ein neuer teurer Kredit benötigt wird.

Fünf Punkte vor dem Unterschreiben

  • Nettodarlehensbetrag und tatsächlichen Auszahlungsbetrag abgleichen.
  • Effektiven Jahreszins und Gesamtbetrag vergleichen.
  • Laufzeit nicht nur über die niedrigste Rate wählen.
  • Kosten und Bedingungen einer Restschuldversicherung separat prüfen.
  • Sondertilgung und vorzeitige Rückzahlung im Vertrag nachlesen.

Weiterführende Grundlagen

Bundesministerium der Justiz§ 16 PAngVGesamtkosten und effektiver JahreszinsHier ansehen
VerbraucherzentraleKredite vergleichenKosten, Bonität und Restschuldversicherung einordnenHier ansehen